Meine Trainingsphilosophie
Balance – Nachgiebigkeit – Gymnastizierung
Das sind für mich die drei Grundlagen einer guten Pferdeausbildung.
Dabei steht nicht eine bestimmte Reitweise im Vordergrund. Ob Western, Vaquero oder klassische Reitkunst – wsie sagte schon Jean-Claude Dysli „…. wir reiten Pferde, keine Stile!“
Balance
Ohne Balance keine Leichtigkeit.
Und diese Balance beginnt nicht erst beim Pferd. Sie beginnt beim Reiter.
Ein Reiter, der selbst schief, steif oder unausbalanciert sitzt, kann ein Pferd nicht dauerhaft ausbalanciert bewegen. Deshalb gehört die Schulung des Reiters für mich untrennbar zum Pferdetraining.
Sitz, Becken, Gewicht und Körperkontrolle beeinflussen das Pferd ständig.
Der Reiter macht das Pferd – das Pferd ist das Spiegelbild des Reiters. Das gilt auch für die Artbeit am Boden. Je besser der Mensch seine eigene Bewegung kontrollieren kann, desto feiner kann er auf die Bewegung des Pferdes einwirken. Sitz vor Hand!
Nachgiebigkeit
Ein Pferd soll nicht gegen den Reiter arbeiten. Es soll lernen, auf feinste Signale zu reagieren.
Nachgiebigkeit bedeutet dabei nicht nur, dass ein Pferd einem Zügel nachgibt. Es kann genauso dem Bein, dem Gewicht oder der Bewegung des gesamten Reiterkörpers folgen bzw. nachgeben.
Mein Ziel ist ein Pferd, das leicht wird. Die leichte Hand des Reiters ist dazu immer der Schlüssel.
Die Nachgiebigkeit des Pferdes kommt aus der Nachgiebigkeit des Reiters. Gefühl und Timing sind hier wichtige Eckpunkte. Das ist für mich echte Kommunikation.
Gymnastizierung
Ein Pferd ist nicht dafür geboren worden, einen Menschen auf seinem Rücken zu tragen.
Es muss diese Aufgabe erst körperlich lernen und muskulär darauf vorbereit werden.
Deshalb ist Gymnastizierung für mich die Grundlage jeder Ausbildung.
Seitengänge, Biegung, Geraderichten, Volten, Übergänge und die Arbeit an der Hinterhand sind keine Lektionen, die man nur für eine bestimmte Reitweise braucht.
Sie helfen dem Pferd, seinen Körper besser zu benutzen. Das Pferd soll lernen, Last aufzunehmen, seinen Rücken tragfähiger zu machen, die Hinterhand einzusetzen und die Schulter leichter werden zu lassen. Hier ist ein großes Maß an um Wissen im Bereich Biomechanik nötig. Denn nur dies ermöglicht uns ein Pferd wirklich gesund reitbar zu trainieren.
Der Reiter macht das Pferd
Ein Punkt wird im Pferdetraining meiner Meinung nach viel zu oft vergessen:
Der Reiter macht das Pferd
Wenn das Pferd auf einmal schneller wird, muss ich mich fragen, was ich da oben mache.
Wenn das Pferd auf die Schulter fällt, muss ich mich fragen, ob ich ihm die Balance überhaupt ermögliche. Wenn eine Lektion nicht funktioniert, ist die erste Frage für mich deshalb nicht:
„Was macht das Pferd falsch?“
Sondern:
„Was mache ich gerade falsch?“
Der Reitmeister Egon von Neindorff sagte einmal:
„Wenn Dein Pferd einen Fehler macht – suche den Grund bei Dir. Wenn Du ihn nicht findest, dann suche gründlicher!“
Eine ehrliche Bestandsaufnahme
Natürlich gibt es Pferde mit körperlichen, mentalen oder ausbildungsbedingten Problemen. Aber genau deshalb muss jedes Training mit einer ehrlichen Bestandsaufnahme beginnen.
Ich schaue mir das Pferd an, seine Bewegung, seine Balance und seine körperlichen Voraussetzungen. Gleichzeitig schaue ich auf den Reiter und auf dessen Sitz, Beweglichkeit und Körperkontrolle.
Erst wenn ich weiß, wo Pferd und Reiter stehen, kann ich entscheiden, wohin die Reise gehen soll.
Keine Ausbildung nach Schema F
Jedes Pferd ist anders – jeder Mensch ist anders.
Ein junges Pferd braucht etwas anderes als ein Senior. Ein unausbalanciertes Pferd braucht etwas anderes als ein bereits gymnastiziertes Pferd. Und manchmal (meist) liegt das Problem, das wir beim Pferd suchen, eigentlich beim Reiter.
Deshalb gibt es bei mir keine Methode, die für jedes Pferd gleich funktioniert.
Ich möchte verstehen, warum ein Pferd etwas tut – und nicht einfach nur erreichen, dass es etwas tut.
Denn am Ende geht es nicht darum, ein Pferd irgendwie durch eine Lektion zu bekommen.
Es geht darum, dass das Pferd versteht, was wir von ihm möchten, körperlich dazu in der Lage ist und neue Aufgaben mit Leichtigkeit bewältigt.
Dann entsteht das, was ich suche:
Balance – Nachgiebigkeit – Gymnastizierung
Und daraus entsteht Leichtigkeit.
Energie
Eigentlich fehlt in dem ganzen noch ein Buchstabe das E – E für Energie.
Auch hier ist der Reiter, der Mensch am Boden, der Mensch am anderen Ende des Stricks oder der Zügel gefordert. So wie der Körper des Menschen vom Pferd gespiegelt wird, so spiegelt es auch seine Energie. Jede Bewegung, jede Muskelspannung ja selbst ein Blick auf ein Körperteil wird von unseren Pferden gelesen, aufgenommen und umgesetzt.
