Dein Pferd hat ein Problem – die Lösung: ein Stuhlkreis

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Dein Pferd hat ein Problem – die Lösung: ein Stuhlkreis….????

Wer sich heute ein bisschen durch die sozialen Medien bewegt, bekommt schnell den Eindruck, dass sich auch die Pferdewelt gerade in eine ganz besondere Richtung entwickelt.

Scrollt man durch Instagram, Facebook und Co., begegnet einem immer häufiger eine Art von Pferdehaltung und Pferdetraining, bei der das Pferd immer mehr menschlich betrachtet wird. Hat das Pferd ein Problem, wird erst einmal ganz genau analysiert, was es wohl fühlen könnte. Hat es Angst, muss man noch vorsichtiger werden um ein Trauma zu verhindern. Zeigt es unerwünschtes Verhalten, darf man auf keinen Fall Druck – in welcher Form auch immer –  machen. Und wenn gar nichts mehr hilft, kommen natürlich die Wattebällchen zum Einsatz (alles andere ist ja pure Gewalt) – und so langsam frage ich  mich:  „… wann bilden wir die ersten Stuhlkreise?“

Wie könnte so etwas aussehen?

Wenn das Pferd ein Problem hat, mit dem Training oder gar mit dem Menschen und dessenUmgang, setzen wir uns natürlich erst mal im Kreis auf Stühle. Das Pferd darf in der Mitte erzählen, was es so beschäftigt. Schließlich ist es ja wichtig, dass seine Gefühle gesehen und ernst genommen werden. Vielleicht hatte es einfach einen schlechten Tag. Vielleicht war der Wind zu windig, der Sattel zu sattelig oder der Traktor auf der anderen Straßenseite emotional nicht tragbar. Es kann natürlich auch an der schlechten Kindheit gelegen haben oder emotionalen Problemen mit seinem Menschen.

Also atmen wir tief durch und lassen uns die Geschichte erzählen.
Niemand macht Druck, niemand verlangt etwas und bloß nicht vergessen: Das Pferd darf jederzeit, aber auch wirklich jederzeit Nein sagen.
Am besten fragen wir anschließend noch, wie es sich damit fühlt. Vielleicht möchte es darüber sprechen. Vielleicht auch nicht. Und wenn es ganz schwierig wird, holen wir selbstverständlich noch einen Pferdepsychologen dazu.

Ironie aus.

Natürlich ist es wichtig, ein Pferd ernst zu nehmen, seine Körpersprache zu verstehen, seine Bedürfnisse zu kennen und fair mit ihm umzugehen. Und ja, nicht selten haben Pferde ein Problem mit ihren Menschen und „funktionieren“ bei einem Trainer besser.  Aber irgendwo zwischen artgerechtem Umgang und gut gemeinter Vermenschlichung scheint uns manchmal der gesunde Menschenverstand abhandenzukommen. Und die Probleme mit dem Menschen liegen auch immer am Menschen und nicht am Pferd. Ein Stuhlkreis für die „anonymen Pferdebesitzer“ – das wäre sicher sinnvoll. Und vielleicht bieten wir das auf HEARTLAND demnächst mal regelmäßig an!

Aber zurück zum Pferd – Pferde leben nicht nach dem Prinzip: „Ich respektiere deine Grenzen, wenn du mir vorher ausführlich erklärt hast, warum du sie heute setzt.“
In einer Herde gibt es klare Kommunikation. Körpersprache, Konsequenzen, Raum, Grenzen, Führung. Und vor allem eine Sprache, die für das Pferd verständlich ist.
Eine Leitstute hält einem anderen Pferd auch keinen 45-minütigen Vortrag darüber, warum es gerade nicht akzeptabel ist, in ihren persönlichen Raum zu laufen. Sie legt die Ohren an, verändert ihr Körperverhalten – und wenn das andere Pferd die Botschaft ignoriert, wird die Konsequenz entsprechend deutlicher.

Das ist keine Gewalt. – Das ist klare Kommunikation.

Und genau darum geht es im echten Pferdetraining: nicht darum, ein Pferd möglichst menschlich zu behandeln, sondern darum, es möglichst pferdegerecht zu verstehen und eben so zu trainieren und sich verhalten. Ein Pferd ist kein Mensch mit vier Beinen, einer Mähne und ungelösten Kindheitstraumata. Es ist und bleibt ein Pferd.

Und genau so sollten wir es auch behandeln.

Fair, klar, konsequent und vor allem verständlich – mit einer Sprache, die es selbst versteht… eine Spracche die WIR lernen müssen!

Denn wenn wir anfangen, jedes natürliche Verhalten des Pferdes als psychologisches Problem zu erklären, brauchen wir irgendwann tatsächlich einen Stuhlkreis. Nur sollte das Pferd dann vielleicht besser draußen bleiben – eben ein Stuhlkreis für die anonymen Pferdebesitzer!

Denn eines steht fest:
Pferde brauchen keinen Stuhlkreis. Sie brauchen Menschen, die ihre Sprache verstehen. Menschen mit Struktur, Gefühl und Pferdeverstand – mit Führungsqualitäten und Kompetenz. Denn einem solchen Menschen kann das Pferd Vertrauen.

… ride with your heart! 

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